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Überlieferung und Folklore

Auf dem Majella, “Heiliger Berg” im reinsten Sinne des Wortes, weht seit jeher überall der religiöse Geist: er ist keine Stiefmutter, sondern eine Mutter, die die Menschen vereint und nährt.

Dieser Berg hat immer Berghirten und Bauer beherbergt und die Feierlichkeiten sind wichtige Zeugnisse eines bäuerlichen- gebirgs- Hirten Kultur. Die Gründe dieser Traditionen sind immer dieselbe: das Vorzeichen einer guten Ernte, die Furcht vor der Natur, und das Bedürfnis, das Übel zu überwinden.

In diesen Feiertagen finden wir auch sehr frühzeitige Riten, weil das Leben der Gemeinschaft ursprünglich durch die Reihe der Feierlichkeiten skandiert wurde.

Die Feiertage der verschiedenen Dörfer sind also mit religiösen Glauben und heidnischen Riten zusammengebunden. Die berühmtesten Veranstaltungen sind: die Lebende Krippe in Rivisondoli; der Feiertag von S. Antonio Abate; die „Panicelle“ (Brötchen) von S. Biagio in Taranta Peligna; die Karfreitagprozession und die „Madonna che scappa“ (die rennende Madonna) in Sulmona; der Feiertag von S. Domenico in Pretoro; die „Ndorce“ (Fackeln) in Fara San Martino; die Feierlichkeit der Madonna della Libera in Pratola Peligna; die Prozession der „Verginelle“ (Jungfrauen) in Pretoro; die „Corsa degli Zingari“ (Lauf der Zigeuner) in Pacentro; San Martino, Feiertag der Betrogenen in San Valentino..


Bedeutendste Veranstaltungen und Feierlichkeiten

In Rivisondoli wird am 5. Januar mit einer eindrucksvollen und verschneiten Landschaft die Lebende Krippe repräsentiert. Es ist eine große touristische Lockung: mit der Rolle der Madonna wird ein Mädchen betraut, das unter vielen anderen gewählt wird; es findet eine Auswahl statt, zu der zahlreiche Jungfrauen aus verschiedenen Regionen Italiens mitteilen.

Am 17. Januar feiert man in zahlreichen Gemeinden des Parks S. Antonio Abate, Schutzherr der Tiere und an wem wandten sich in der Vergangenheit die Bauer um sich vom Herpes zoster, das sogenannte „fuoco di S. Antonio“ (Feuer des S. Antonio) zu schützen. Die Feiertage haben verschiedene Art und Weise in jedem Dorf: Aufmarsche von aufgeputzten Tiere, Figuranten und Masken, Segnung der Tiere, Gesängen, Prozessionen.

Am 3. Februar wird in Taranta Peligna San Biagio gefeiert. Hier verteilt man die „panicelle“, kleinen Brötchen die die Form einer Hand mit 4 Fingern und das Symbol von S. Biagio haben. Die Gläubigen essen sie um vom Halsschmerz sich zu schützen.

Am Karfreitag wird in alle Dörfer die Figur des Toten Christus in Prozession getragen. In Sulmona wird diese Heilige Darstellung von der Confraternita della Trinità (Bruderschaft der Trinität) organisiert und sie fängt am Sonnenuntergang aus der Kirche der Trinität an; die Prozession ist mit dem Gesang des Misereres und den Symbolen der Passion begleitet. Die Brüder tragen die rote Kutte der Bruderschaft und vor der Kirche von Santa Maria della Tomba finden sich die Ordensbrüder der Madonna di Loreto, die die Statuen des Toten Christus und der Madonna bis zur Ende der Prozession tragen.
Immer in Sulmona, am Ostermorgen findet die Heilige Darstellung der rennenden Madonna statt. Nach der Messe, tritt die Prozession mit dem Banner der Ordensbrüder der Madonna di Loreto aus der mittelalterlichen Kirche von Santa Maria della Tomba ins Freie. Sie sind mit weißen Hemd und der grünen „mozetto“ aus Seide bekleidet und tragen die Statue des auferstandenen Christus; andere folgen ihnen mit den Statuen des Hl. Petrus und des Hl. Johannes ihren Weg zwischen den Menschenmassen fort und nähern sich dem geschlossenen Portal der Kirche von San Filippo Neri. Hier beginnt eine Pantomime zwischen den Statuen; ein wortloser, aber verständlicher Dialog zwischen Johannes, Petrus und der Madonna. Zuerst nähert sich Johannes, der der Schmerzensjungfrau die Botschaft der Auferstehung ihres Sohnes überbringt; die Madonna glaubt ihm nicht und verbleibt in ihrem Schmerz. Daraufhin nähert sich Petrus, der die Botschaft wiederholt, aber auch ihm wird nicht geglaubt und das Portal bleibt geschlossen. Die Statue vom Hl. Johannes versucht es noch einmal, diesmal „schwungvoller“, und das Portal öffnet sich, die Statue der Schmerzensjungfrau erscheint, hält ein, es scheint, sie wolle wieder hinein und dann beginnt sie sich langsam der Stelle zu nähern, die ihr von den beiden Heiligen als den Ort, an dem ihr Sohn auferstanden ist, gezeigt worden war.
Die Madonna in ihrem schwarzen Mantel durchquert die Piazza, erst langsam, dann werden die Träger immer schneller. Die Schwankende Madonna begreift, dass ihr Sohn wirklich auferstanden ist und dort, am Ende der Piazza auf sie wartet. Die letzten 50 Meter laufen die Träger ziemlich schnell: die Madonna verliert ihren schwarzen Umhang, und erscheint nun in einem farbenfrohen Kleid und, während sich 12 Tauben in den Himmel erhebt Jesu. Dieser Zeremonie haften zahlreiche symbolträchtige Bedeutungen an, man interpretiert den Taubenflug und den fallenden Umhang aufgrund antiker Vorzeichen.
Am ersten Sonntag im Mai in Pretoro findet das religiöse Fest zu Ehren des Stadtpatrons San Domenico Abate statt. Nach der Prozession, wird eine Aufführung darstellt, die ein Wunder von San Domenico erzählt. Es ist eine Folkssage, nach der das Neugeborene einer Holzfällerfamilie von einem Wolf geraubt wurde und durch den Heiligen San Domenico Abate wieder zu seinen Eltern kam.

Am ersten Sonntag im Mai findet in Fara San Martino der alte Versöhnungsritus der „ndorce“ (die Fackeln) statt, um Hl. Domenico zu bitten, um den Regen zu rufen. Die Pilgerfahrt tritt von Atessa an; hier in Fara San Martino gehen die Pilger nach die Quellen des Verde Flusses und stellen zwei Wachsfackeln und zwei Ährenbündeln in der Kirche von San Pietro ab.

Nach einer engen Schlucht, erreichen die Pilger die Überreste der alten Benediktinischen Abtei von San Martino. Auf der Rückfahrt, einige niederknien, dann Steinchen aufheben und sie in den Felder werfen, um die Ernte günstig zu stimmen.

In Pratola Peligna am ersten Sonntag im Mai findet die Feierlichkeit der Madonna della Libera statt. Nach einer Legende wurde im 1456 während der Pestilenz von einem Bauer ein Madonna mit Engeln darstellende Fresko entdeckt. Die Madonna erschien dem Bauer im Traum und sagte ihm vorher, dass die Pest würde beendet haben.

Am 8. Mai in Rapino findet die Prozession der Jungfrauen statt, eine Feierlichkeit, die reich an symbolischen Elementen ist und mit alten bäuerlichen Riten der Fruchtbarkeit gebunden ist. Die „Jungfrauen“ sind kleine Mädchen zwischen 6 und 10 Jahren; sie sind sich in Weiß und Rosa gekleidet und werden mit Blumen und Gold geschmückt. Sie werden symbolisch der Madonna von Carpineto gewidmet, um den Regen zu rufen.

Am ersten Sonntag im September findet in Pacentro „der Lauf der Zigeuner“ für die Feierlichkeit der Madonna di Loreto statt. Die Teilnehmer werden Zigeuner genannt, weil sie barfuss sind. Diese Jünglinge brechen von Colle Ardingo auf und steigen bis zum Vella Fluss hinab; dann kommen sie zum Dorf zurück und halten vor dem Altar der Madonna di Loreto. Der Lauf symbolisch darstellt den Übergang zwischen Pubertät und Erwachsensein.

Am 10. November in San Valentino findet der „Feiertag der Betrogenen“ statt, der ein Zug ist, wo der letzte Neuvermählte des Jahres gefoppt wird.
Der Zug bewegt sich durch die Strassen des Dorfes mit Ochsenhörnern und phallische Symbolen genannt „Reliquien“. Einst hielt man vor den Häusern, wo man dachte, dass untreue Ehefrauen wohnten.

 

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